Die Schwäbische Alb ist ein Buch. Die jenigen die nicht reisen, lesen nur eine Seite

Wo Steine und Wasser verschwinden

Wenn es auf der Schwäbischen Alb regnet, dann löst das Regenwasser den Kalkstein auf. Risse, die das Gebirge durchziehen, werden dann zu Spalten und Schächten ausgeweitet. Schließlich werden große Höhlensysteme aus dem Gestein gelöst. Das Wasser bleibt nicht lange im Untergrund, sondern fließt über Röhren, manchmal sogar als unterirdischer Fluss schnell ab. Seit dem Ende des Tertiärs entwickelte sich auf diese Weise eine karge, durch Verkarstung gekennzeichnete Landschaft - die Schwäbische Alb.

Sagenhafte Unterwelt
Über Jahrmillionen entstanden durch die Lösung des Kalkes im Inneren der Schwäbischen Alb weitläufi ge und beeindruckende Höhlensysteme. Häufig sind diese reich mit Tropfsteinschmuck verziert. Denn tropft das mit Kalk befrachtete Wasser in den Höhlen von der Decke, fällt der Kalk wieder aus. An den Decken entstehen nach und nach schlanke Stalaktiten. Beim Auftreffen des Wassertropfens auf dem Boden wächst über die Jahrtausende ein Stalagmit in die Höhe, bis sich beide zu einer Tropfsteinsäule zusammenfinden.

Aus Wasser werden Steine
Anders herum als bei der Höhlenbildung kann aus Wasser auch wieder Stein werden. In den Höhlen entstehen Tropfsteine, an der Erdoberfläche dagegen Kalktuff. Hauptsächlich an Moosen und Algen wird der Kalk an Karstquellen, die meist am Rand der Schwäbischen Alb in tief eingeschnittenen Tälern entspringen, wieder ausgefällt. Obwohl die Pflanzen von unten her immer mehr „versteinern“, können sie nach oben hin weiter wachsen, so dass mehrere Meter mächtige Vorkommen dieses Kalktuffs entstehen können. An etlichen älteren Gebäuden fällt der poröse und löchrige Kalkstein auf. Er lässt sich „bergfeucht“ leicht sägen und wirkt stark isolierend - kein Wunder also, dass er früher als gesuchter Baustein Verwendung fand.

Wasser taucht ab - und wieder auf
Die ausgedehnten Hohlräume der Alb-Unterwelt sind berühmt für ihre zahlreichen Schauhöhlen und berüchtigt für die Dolinen, kleinere Einsturztrichter, die im Extremfall auch schon mal mit einem gerade darüberfahrenden Traktor einbrechen. Und schließlich führt die „ausgehöhlte“ Alb noch zu einem weiteren Phänomen: Trotz hoher Niederschläge ist die Schwäbische Alb die wasserärmste Landschaft Deutschlands. Vor dem Ausbau der Albwasserversorgung waren viele Albbewohner auf in Zisternen und Hülen gesammeltes Regenwasser angewiesen und in dürren Sommern musste zum Teil monatelang Wasser in Fässern von weit her auf die Hochfläche transportiert werden. Gleichzeitig besitzt die Alb mit der Aachquelle und dem Blautopf die stärksten Quellen Deutschlands. Bei Hochwasser schütten der Aachtopf bis zu 24.800 und der Blautopf bis zu 32.000 Liter pro Sekunde. Zu erklären ist dies mit dem Versickern des Wassers in den ausgehöhlten Untergrund. Besonders beeindruckend ist das plötzliche Verschwinden der gesamten Donau bei Immendingen, der so genannten Donauversickerung. Im 12 km entfernten Aachtopf tritt das Donauwasser später wieder aus.

Flusstäler ohne Flüsse
Überall auf der Albhochfläche findet man beeindruckende Flusstäler, nur der zu erwartende Fluss ist nicht zu finden. Wo sind die Flüsse, die diese Täler gegraben haben? Entstanden sind diese Täler im Tertiär und während des Eiszeitalters. Damals rauschten noch große Flüsse auf der Alb, bis sie im Zuge der Verkarstung in den dadurch entstandenen ausgedehnten Höhlen- und Kluftsystemen verschwanden. In den „unterirdischen Flussläufen“ fließt das Wasser auf geheimnisvollen Wegen kilometerweit. Erst Färbeversuche, Höhlen- und Tauchexpeditionen konnten einige davon aufspüren und nachvollziehen. Das Wasser sammelt sich in der Regel in zwei Karststockwerken. Das Wasser des tieferen Stockwerks fließt zum Neckar hin ab, während das Wasser des höher gelegenen Stockwerks zum größten Teil in der Donau landet. Beide Karstwasserspeicher sind für die Trinkwasserversorgung der gerade aufgrund der Verkarstung an sich sehr wasserarmen Schwäbischen Alb von großer Bedeutung.


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