UNESCO Global GeoPark

Brauner Jura - Tönerne Füße der Alb

Neben seinen beiden „Geschwistern“, dem älteren Schwarzen und dem jüngeren Weißen Jura, die durch Fossilfunde weltberühmt wurden, gerät der unscheinbarere „Kleine Bruder“ Braunjura leicht in Vergessenheit. Dabei hat auch er einiges zu bieten.

Als relativ dünnes Band zieht sich der Braune Jura an der Nordseite der Schwäbischen Alb zwischen der flachen Schwarzjuraplatte und dem Steilanstieg des Weißen Juras hin. Seine bräunlichen, meist eisenhaltigen Sandsteine gaben ihm den kennzeichnenden Namen Brauner Jura, im Unterschied zu den im Schwarzen Jura verbreiteten dunklen Ölschiefern und den weißen Kalken im Weißen Jura. Im Vergleich zu der Schwarzoder Weißjurazeit wurden die Braunjura-Ammonit Staufenia Sinon (SMNS)Braunjuraschichten vor circa 160 Mio. Jahren in einem flacheren, festlandsnäheren und vor allem kälteren Meer abgelagert. Bei lediglich 13 bis 18°C Wassertemperatur war es Korallen und anderen tropischen Lebewesen einfach zu kühl. Es finden sich jedoch zahlreiche Muscheln und Ammoniten mit teilweise opalschimmernden Schalen.

Zur Braunjurazeit lag der Bereich der Ostalb näher zum Festland als die Westalb. Die unterschiedlichen Ablagerungsbedingungen sind noch heute im Gelände zu erkennen. Eine erste Schichtstufe im Gelände bilden im Bereich der Mittleren Alb die Donzdorfer Sandsteine, die früher als Bausteine sehr begehrt waren, z.B. beim Bau des Ulmer Münsters. Diese Sandsteine zählen schon zur Formation des sogenannten Eisensandsteines. Hier finden sich Eisenerzvorkommen, eingeschwemmt aus den Flüssen des benachbarten Festlandes. Mit einem Erzgehalt von über 30% waren diese Schichten früher für den Abbau interessant. Etwa 30.000 Tonnen Erz pro Monat wurden beispielsweise bis 1963 aus der Grube „Karl“ bei Geislingen gefördert.

Sehr treffend hat Robert Gradmann die Alb als „einen Koloß mit tönernen Füßen“ beschrieben, denn tatsächlich steht die mächtige Albsteilstufe auf dem rutschfreudigen Ornatenton, der obersten Braunjuraschicht. Hier kommt ein Teil des Wassers aus dem verkarsteten Weißen Jura wieder in Form von Quellen zum Vorschein und trägt durch seine Quellerosion kräftig dazu bei, dass immer wieder Teile der Alb abrutschen. Im Gelände ist die Grenze zwischen Braunem Jura (malerische Hügel im Albvorland) und Weißem Jura (schroffer Albaufstieg) meist deutlich zu erkennen. Auch die ausgedehnten Streuobstwiesen am Albrand zeigen uns den Braunen Jura, da sie hier früher wie heute die überwiegende Nutzungsform darstellen.

Die tonreichen Schichten des Braunen Jura neigen zu Rutschungen und sind deshalb bei Straßen- und Häuslebauern gleichermaßen gefürchtet. Im Gelände erkennt sie der aufmerksame Beobachter an einigen Stellen an krumm und schief gewachsenen Obstbäumen, die durch so genanntes „Hakenschlagen“ versuchen, das Wegrutschen ihres Wurzelbereiches auszugleichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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